Extremsport am Freitag – Ich fühle mich wie Ironman

Extremsport? Vielleicht sollte erstmal geklärt werden, was „extrem“ ist. Wenn man 100 Leute befragen würde wie man „extrem“ im sportlichen Bereich definiert, so werden die Antworten vermutlich weit auseinander gehen.  Es werden sich keine eindeutigen Lager bilden (können). Der Couchpotato, der sich niemals bewegt und dem Sport ein Fremdwort ist wird vermutlich antworten, dass es für ihn extrem ist zum nächsten Kiosk eine Straße weiter zu laufen. Fragt man Felix Baumgartner, wird er vermutlich folgendes antworten: „Ich würde gerne von noch höher auf die Erde springen, aber die Schwerkraft macht mir einen Strich durch die Rechnung.“. Also was ist nun extrem aus meiner Sicht?

Extremsport light

Zugegeben, meine Definition von Extremsport ist wahrscheinlich verglichen mit der allgemein vorherrschenden Auffassung eher lächerlich. Dennoch habe ich mich in den vergangenen drei Tagen getrieben von adidas und gequält vom Yoga und insbesondere am Freitag so viel bewegt, wie noch nie in meinem Leben zuvor, mal abgesehen von dem Tag des Halbmarathons. Knapp 28km mit dem Rad und fast 7 km Training mit adidas klingen im ersten Moment nicht wirklich viel, manch einer fährt alleine jeden Tag 10 km mit dem Rad zur Arbeit und wieder zurück.

Ich denke die Umstände waren das, was der ganzen Geschichte letztlich mein persönliches „extrem“ verleiht. Dabei war die Hinfahrt zur adidas Runbase gar nicht mal so das Problem. Gut, es war anstrengend und direkt im Anschluss ohne große Verschnaufpause dann noch knapp 7 km zu laufen war jetzt auch eine Herausforderung, der ich mich bisher noch nie gestellt hatte. So richtig extrem wurde es aber erst auf der Rückfahrt. Aber die Geschichte hebe ich mir für das Ende des Artikels auf.

adidas Classic Run 6k

Völlig verschwitzt habe ich irgendwie versucht mein Fahrrad auf dem „leicht“ abschüssigen Vorplatz zu stellen um es im Anschluss abzuschließen. Nachdem mir das Fahrrad ein paar Mal entgegen gerollt kam, klaute ich mir den Trick eines Nachbar-Rades, welches ein Pedal einfach als „Haken“ umfunktionierte und das Fahrrad in den Ständer hängte. So funktionierte es dann letztlich auch bei mir. Leider bemerkte ich erst nach der ganzen Aktion, dass der komplette Boden mit Glasscherben gespickt war – aber Schwamm drüber.

Fünf Minuten später war das Werk vollbracht. Eigentlich gar nicht schlecht, denn mein Kopf war vermutlich noch immer sehr rot von der Anstrengung. Man tuckert ja auch nicht mit Tempo 15 durch die Stadt, sondern gibt alles, was mich auf eine Höchstgeschwindigkeit von 33km/h beschleunigen lies. Selbst schuld, werden sicherlich einige jetzt sagen – und ja, ganz oder gar nicht.

Kurze Muskelentspannung und los ging es auf einen Rundkurs, der nicht schöner hätte gewählt werden können. Das Highlight war wohl das Sowetische Ehrenmal mitten im Treptower Park, was an die Befreiung des Nationalsozialismus erinnern soll. Distanztechnisch gesehen waren wir hier bei 2,5 km, die fleißigen Leute, die noch Kraft hatten (also alle außer mir) sprinteten die Treppen hoch und blieben dort stehen.

Der Wendepunkt war erreicht

Da hier auch die Fotopause war, kam ich nicht drum herum auch nach oben zu laufen, mit dem Resultat, dass meine leuchtenden Klamotten bei dem Foto wie ein Neonpfeil auf mich zeigten, da alle anderen unauffällige dunkle Sachen anhatten, oder diese zumindest nicht so sehr leuchteten. Aber hey, derjenige, der am wenigsten getan hat, sollte zumindest auf dem Foto im vollen Glanze strahlen.

Dann ging es auch schon wieder zurück, eine gewohnte Strecke am Treptower Ufer entlang bis zu dem letzten Kilometer. Der Regen setzte ein und brachte noch seinen großen Bruder Mr. Sturm mit. Nicht sehr angenehm bei so starkem Gegenwind noch in der Vorwärtsbewegung zu bleiben. Aber was tut man nicht alles für die Gesundheit (und gegen das Sixpack im Speckmantel)?

Workout? Danke, bin versorgt…

Fab lud nach dem Lauf noch zum Workout ein, welches ich aber nicht mitmachte, da mein persönliches Workout noch vor mir lag. Die sehr, sehr lange Strecke zurück zu mir nach Hause. Mehr als nur einmal habe ich darüber nachgedacht das Rad zu schnappen und zum nächsten Bahnhof zu fahren. Den ersten Gedanken dieser Art fasste ich direkt beim rauskommen und aufschließen des Schlosses, als ein nasser, unangenehmer Regen auf mich niederging.

Den nächsten Gedanken hatte ich ein paar Meter weiter, als ich auf die nächste Straße einbog und zuvor durch mehrere Pfützen gefahren bin. Wäre soweit kein Problem gewesen, hätte ich zu Hause meine Schutzbleche an die Räder geklippt. Hinten spritzte mir nun also alles auf den Rücken und vorne von unten ins Gesicht. Aber hey, jetzt fuhr ich schonmal und ob nun jede Menge Wasser von oben oder von unten oder von beiden Seiten kam, war nun auch egal.

Das dritte Mal dachte ich über eine Bahnfahrt nach, als ich vor mir kaum noch die Straße erkannte. Erstmal war es dunkel, dann hatte ich zum Windschutz meine Kaputze auf, die für regenreiche Tage auf dem Fahrrad nicht geeignet war und dann peitschte mir noch von vorne der Regen ins Gesicht. Der Wind hatte aufgedreht und ich konnte nicht nach links und nach rechts gucken, da meine Kaputze nicht mit meiner Kopfbewegung mitgegangen war.

Jetzt war eh egal

Mit dem Blick auf meine Uhr, zeigten mir die großen Zahlen an, dass ich mit knapp 2 km schon gut 1/5 der Strecke geschafft habe – und genau aus dem Grund bin ich auch standhaft geblieben und habe den ganzen Weg auf mich genommen. Rote Ampeln waren dabei besonders schön, die hatten mich daran erinnert wie schön kalt es eigentlich war und wie schnell ich fror. Am Hauptbahnhof angekommen wusste ich, dass es nicht mehr weit war und ich nur noch 1/5 der Strecke vor mir hatte.

Zu Hause angekommen, stellte ich überglücklich mein Rad in den Keller, schloss die Tür zu meiner Wohnung auf, streifte meinen Ironman-Suit ab, klopfte mir noch schnell 1-2x auf die Schulter und verschwand dann so schnell es ging unter der Dusche, wo ich meinen unterkühlten Körper erstmal ordentlich aufheizte. Heute, also einen Tag danach fühle ich mich überraschend gut. Dann kann ich ja morgen wieder laufen gehen. Passt…

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