Schonmal nackt gelaufen?

Zugegeben, es ist anfangs vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach einer Weile merkt man gar nicht mehr, dass irgendwas anders ist und fühlt sich richtig frei. Man konzentriert sich wieder auf das Wesentliche, nämlich auf sich selbst und nicht auf irgendwelche lästigen Anhängsel. Das eigene Selbstbewusstsein steigt und der Blick wandert mehr umher, als bei einem gewohnten Lauf. Ist ja auch klar, schließlich ist man ja nun auch unabhängig.

Die neue Freiheit

Auch wenn es schön ist „nackt“ zu laufen, ich werde mich wohl nicht an die Abwesenheit meiner GPS-Uhr gewöhnen wollen. Das, was sofort auffällt und fehlt, ist die Vergleichbarkeit zu anderen Läufen. Ich weiß grob wie weit ich gelaufen bin, aber auch nur, weil ich meine Standard-Laufstrecke gelaufen bin und sie über Google Maps rekonstruieren kann. Ich habe mir weder die Zeit gemerkt, noch habe ich die Möglichkeit meinen Puls zu überprüfen. Jetzt werden einige sagen, dass das auch gar nicht so schlimm ist, denn man ist ja selbst schon ein guter Indikator für einen zu hohen Puls. Man merkt ja, wann der Puls zu hoch ist. Ja und nein…

Schnee im Sommer

Wenn ich nicht mehr atmen kann, oder mir in meinen epischen Monologen mit nervig gezwungene Sprechpausen den göttlichen Klang versaue, dann ist der Puls zu hoch. Wenn ich fröhlich Lieder singen kann und mir ganze Gedichte aufsage, ohne auch nur einmal Luft holen zu müssen, dann ist der Puls genau richtig oder zu niedrig. Aber so einfach ist das leider nicht. Es kommen auch äußere Einflüsse dazu, wie die Pollen, die aktuell durch Berlin fliegen – und damit meine ich nicht die unsichtbaren, die man nicht wahrnimmt, sondern diese dicken, weißen Fussel, die einem bei jedem Atemzug in den Mund gesogen werden. Diese kurzen Atempausen und die extreme Wärme mit noch etwa 30°C um 19 Uhr lassen einen Läufer genauso doof aussehen, wenn kein ausreichendes Training vorhanden ist. Und wer mich kennt…

Sind Läufer Masochisten?

Gegen Mittag lag ich an der Spree (was soll man bei der Hitze sonst auch machen?). Ich las in meinem Buch und beobachtete die Menschen, die den Kiesweg auf und abliefen. Immer wieder kreuzten Läufer jeglichen Alters meine Blicke. Folglich fragte ich mich, warum sie sich das antun in der knallen Mittagssonne (es war kurz nach 12 Uhr) laufen zu gehen. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass Läufer einen Hang zum Masochismus haben. Diese Meinung darf als wissenschaftlich anerkannt angesehen werden. Ich sehe das bei mir. Ich war jetzt ein paar Mal laufen und habe wieder diesen typischen Läuferzeh – nebenbei bemerkt habe ich ägyptische Füße. Es geht bei mir um den Zeh neben dem großen Zeh, allerdings nur rechts. Hätte ich jetzt einen römischen Fuß, könnte ich das ja noch verstehen, aber bei einem ägyptischen? Und dann auch noch nur rechts? Ich bin da echt überfragt. Naja, jedenfalls ist der Zeh gequetscht, unter dem Nagel blutunterlaufen und sieht generell irgendwie ungeliebt aus. Als würde er jedesmal von den anderen Zehen verkloppt werden, wenn ich nicht hingucke.

Ist da etwa etwas dran? Ich mache jetzt mal, was ich sonst nicht mache und frage die Scharen von lesenden Menschen hier mal danach, wie es bei euch ist. Wenn mir keiner schreibt, dann deute ich das als stumme Zustimmung und Untermauerung meiner ohnehin schon gesicherten These der masochistischen Läufer.

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